Die ältesten Urkunden der Erzbischöfe von Mainz (888-1109)

gefunden auf „sehepunkte“.

Irmgard Fees / Francesco Roberg (Hgg.): „Die ältesten Urkunden der Erzbischöfe von Mainz (888-1109)“ eine Buchrezenzion von Joachim Kemper:

Das hier anzuzeigende Tafelwerk bietet die Abbildungen der ältesten Urkunden der Erzbischöfe von Mainz aus dem Zeitraum 888 bis 1109. Die großformatige Mappe, die als relativ günstige Studienausgabe und in Form einer „Sammlerausgabe“ erhältlich ist, umfasst neben 29 Tafeln eine knappe Einführung in die Materie. Die Urkundenabbildungen werden ergänzt von knappen, für den Zweck als Tafelwerk aber noch ausreichenden Angaben (Datum/Ausstellungsort; Kurzregest; maßgebliche Drucke bzw. Regesten); auch das jeweils verwahrende Archiv wird benannt. Wie bereits aus dem Reihentitel ersichtlich, handelt es sich um Bilder aus dem traditionsreichen Marburger Lichtbildarchiv älterer Originalurkunden. Das derzeit von Prof. Dr. Andreas Mayer geleitete Lichtbildarchiv verfügt aufgrund jahrzehntelanger Sammlungstätigkeit über die Abbildungen von ca. 14.000 Originalurkunden bis zum Jahr 1250. Das Lichtbildarchiv hat bereits vor einigen Jahren den Weg in das Internetzeitalter beschritten: Mittels eines DFG-Projekts konnte der vorhandene Bildbestand digitalisiert und zum Teil bereits im Internet präsentiert werden. Dass hierbei noch einige Arbeit zu leisten ist, steht außer Zweifel (dies betrifft auch die Aktualisierung so mancher Angaben zum Lagerort von Urkunden usw.). Der wissenschaftliche Nutzen des digitalen Lichtbildarchivs ist freilich unbestritten, und für die (quasi indirekt) beteiligten Archive sollte es eigentlich mehr als wünschenswert sein, ihre „Zimelien“ an einer Stelle gebündelt online verfügbar zu haben. Die Verlinkung mit anderen Angeboten, beispielsweise mit dem derzeit größten digitalen Urkundenarchiv Monasterium (http://www.monasterium.net), ist für das Lichtbildarchiv (und umgekehrt die verlinkten Partner) sicherlich erstrebenswert.

Die vorliegende Mappe stellt den insgesamt vierten Band der Reihe „Digitale Urkundenbilder“ (DIGUB) dar. Nachdem zunächst im Jahr 2006 ein Tafelwerk mit den ältesten Urkunden aus dem Stadtarchiv Worms erschienen war (DIGUB 1), folgten zwei Bände mit päpstlichen Urkunden des 9. bis 11. Jahrhunderts (DIGUB 2/I bzw. 2/II, 2006/2007); im Anschluss an die vorliegende Publikation sollen einerseits nochmals zwei Bände mit Papsturkunden (feierliche bzw. einfache Privilegien und Litterae des 12. Jahrhunderts) erscheinen, andererseits ist die Herausgabe von zwei Tafelwerken mit den Urkunden Kaiser Ludwigs des Frommen für deutsche Empfänger vorgesehen. Das Prinzip der Reihe kann mit dem Ziel umrissen werden, die Abbildungen herausragender Urkunden wissenschaftlich und didaktisch sinnvoll in Form von Tafelwerken zu präsentieren. Auf Transkriptionen wird verzichtet. Die Bände basieren, wie bereits ausgeführt, auf der Sammlung des Marburger Lichtbildarchivs, dessen kostenlos zugänglicher Online-Version im Vergleich zu den Bänden allerdings mittelfristig die Zukunft gehören wird. Tafelwerke wie das vorliegende können aus Sicht des Rezensenten allerdings die Zahl der Zugriffe auf den online verfügbaren Gesamtbestand des Lichtbildarchivs intensivieren, sie sind für den akademischen Unterricht hervorragend geeignet (was jedoch unter Umständen auch für digitale Urkundenpräsentationen gelten kann). Und: Das Interesse insbesondere in der jeweiligen „Bezugsregion“ sollte keineswegs unterschätzt werden; symptomatisch dafür ist sicherlich die Förderung der Drucklegung durch das Bistum Mainz.

Der Band umfasst die 24 ältesten Urkunden der Mainzer Erzbischöfe, beginnend mit der Urkunde Erzbischof Liutberts von 888. Die Qualität der Tafelabbildungen ist dabei durchweg gut und mehr als brauchbar. Was die Aufnahme von in ihrer Echtheit umstrittenen Stücken angeht, wurde von den Herausgebern eine eher weite Toleranzgrenze gesteckt. Der vorliegende Urkundenbestand gibt zweifellos einen guten Einblick in die Entwicklung der mittelalterlichen Bischofsurkunde, auch und gerade weil die Überlieferung der Mainzer Urkunden so ungleichgewichtig und ihre äußere Form heterogen ist. Während von der Mitte des 8. Jahrhunderts (Bonifatius) bis zu Erzbischof Liutpold (1051-1059) ganze 5 Originale auf uns gekommen sind (davon kein Original aus der Amtszeit des berühmten Willigis), haben wir von den nächsten drei Mainzer Oberhirten zusammen 19 Stücke; der im Band nicht mehr erfasste Adalbert (1109-1137) kommt dann allein auf über 50 Originale.

Der vorliegende Band ist, worauf auch in früheren Rezensionen zur Reihe hingewiesen wurde, für den universitär-hilfswissenschaftlichen Unterricht gut geeignet (weniger aber wohl für den gegenwärtigen Unterricht in Paläografie und Diplomatik an der Bayerischen Archivschule in München und vermutlich auch an der Marburger Archivschule). Der mäßige Preis der Studienausgabe dürfte sicherlich einen Kaufanreiz bieten. Obwohl zweifellos die Zukunft den digitalen Urkundenpräsentationen und -portalen gehören wird, darf man dennoch auf die angekündigten weiteren Bände der „DIGUB“ gespannt sein.

Quelle: Joachim Kemper: Rezension von: Irmgard Fees / Francesco Roberg (Hgg.): Die ältesten Urkunden der Erzbischöfe von Mainz (888-1109), Leipzig: Eudora-Verlag 2008, in: sehepunkte 10 (2010), Nr. 1 [15.01.2010], Link: http://www.sehepunkte.de/2010/01/16150.html

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